Geschichte der Alpen

Worüber reden wir hier eigentlich?
Die Alpen sind das höchste Gebirge Europas mit einer West-Ost-Ausdehnung von über 750 Kilometern, einer Nord-Süd-Breite von bis zu 300 Kilometern sowie einer Fläche von knapp 200.000 Quadratkilometern. Das „Dach Europas“ erstreckt sich von Osten aus über Slowenien und Österreich, Deutschland, die Schweiz und Italien bis nach Frankreich und das Fürstentum Monaco. Der höchste Gipfel der Alpen ist der 4.808 Meter ho- he Mont Blanc an der Grenze zwischen Italien und Frankreich.
So weit, so gut und wohl hinlänglich bekannt. Aber wussten Sie, dass es sich hierbei eigentlich um afrikanisches Territorium handelt? Kein Witz! Auch ich habe – nach Tausenden von Motorradkilometern über dieses mehr als prächtige Fleckchen Erde – erst bei der Recherche für dieses Buch gelernt, dass ich mich auf den schräglagenreichsten Touren meines Bikerlebens im Grunde stets auf afrikanischem Boden befand. Die Entstehung der Alpen ist die wohl spannendste Geschichte des Planeten, die Geschichte einer Jahrmillionen dauernden geheimen Unterwanderung.
Ein weiter Blick zurück.

Vor mehr als 200 Millionen Jahren bildete das Gestein der heutigen europäischen Alpen noch den Nordrand des afrikanischen Kontinents. Beide Kontinentalplatten, die afrikanische und die eurasische, lagen etwa auf der Höhe des Äquators beieinander, allerdings ohne sich zu berühren. Gigan- tische 100 Kilometer dick und träge dümpelnd auf dem heißen, flüssigen Magmakern der Erde bildeten sie und vier weitere große Kontinentalplatten die sogenannten Urkontinente unseres Planeten. Zwischen Afrika und Eurasien schwappte damals der Vorgänger des Mittelmeeres, das tropische „Tethysmeer“.

Vor etwas mehr als 30 Millionen Jahren begann die afrikanische Kontinentalplatte ganz allmählich nach Norden zu driften und kollidierte auf ihrem Weg irgendwann zwangsläufig mit der eurasischen Plat- te. Diese gigantische Kollision schob – übrigens in zumindest erdgeschichtlich atemberaubendem Tempo von mehreren Millionen Jahen – die eurasische unter die afrikanische Platte und faltete letztere dadurch mit unvor- stellbarem Druck zu einem gewaltigen Hochgebirgskörper auf, dessen Aussehen damals allerdings noch nicht viel mit den heutigen Alpen gemein hatte. Ihre heutige Gebirgs- form erhielten die Alpen vor allem durch jahr- tausendelange Erosion und durch die Gesteinsschicht um Gesteinsschicht abtragenden und zermahlenden Gletscher wäh- rend der europäischen Eiszeiten.

Da aber die Kontinentaldrift bis heute an- hält, wachsen die Alpen – und damit letzt- endlich all die hier versammelten prächtigen Tourengebiete – unverändert jedes Jahr um ein bis zwei Millimeter. Eine mehr als spannende Tatsache, die wir natürlich bei jeder Neuauflage dieses Buches berücksichtigen werden. Versprochen!

Doch Spaß beiseite: Gleichwohl wir hier über Jahrmillionen reden, sind die Alpen erdgeschichtlich dennoch eine eher jugendliche Erscheinung, deren Entstehungsgeschichte sich vor allem nach dem Zurückweichen der Gletscher nach der letzten Eiszeit an den zu- tage tretenden schroffen Felswänden, an den tiefen und steilen Tälern, am immerwährenden Wechselspiel von Gipfeln und Senken auch heutzutage hervorragend erkunden lässt. Und als das ewige Eis endlich wich, bil- deten sich auch die unzähligen, oftmals herrlich gelegenen Seen der Alpen.