Die Alpen

Alpentourismus

In den Alpen leben gut 13 Millionen Menschen, verteilt auf sieben Staaten und 6.500 Gemeinden.
Hinzu kommen gut 5,5 Millionen Gästebetten mit über 500 Millionen Übernachtungen pro Jahr und weit über 100 Millionen Feriengäste.

Damit sind die europäischen Alpen eine der größten Tourismusregionen der Welt, ja es gibt Statistiken, die belegen, dass sich hier gut ein Viertel des gesamten Welttourismus abspielen soll.

Das war in den Anfangszeiten anders gedacht und gänzlich anders geplant. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts allmählich die Bergsteiger und Alpinisten die reinen Naturforscher in den Bergen abzulösen begannen, da waren die Übernachtungszahlen ver- schwindend gering. Nur wenige Touristen stiegen aus einfachsten Quartieren im ersten Tageslicht mit ihren persönlichen Führern auf die Gipfel und entdeckten die Alpen als ihr kleines Paradies.

Erst nach Ende des Ersten Weltkrieges begannen die Menschen die Alpen in Gruppen, ja in Massen zu entdecken. Zahlreiche Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Schutzhütten entstanden ab 1914 auf den Bergen. Mit fortschreitender Technik fing man an, die hochalpinen Regionen mit Zahnradbahnen zerschließen, sogar der Skitourismus erlebte in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts einen ersten Aufschwung, die ersten Liftanlagen wurden gebaut.

Der Sommertourismus begann ab 1950 die Berge in Massen zu entdecken, zweistellige Wachstumsraten bei den Übernachtungen ließen so manchen Hotelneubau innerhalb kurzer Zeit zu einem rentablen Projekt avancieren. Hotels, Gasthöfe und Pensionen schossen wie die berühmten Pilze aus dem Almboden, auch in den Ausbau des Wanderwegnetzes wurde massiv investiert. Seit 1990 wandelt sich vor allem der Sommertourismus immer mehr von der traditionellen Erholungssuche zu einer Erlebnis- und Eventsuche, eine Entwicklung, die mancherorts durchaus denkwürdige Züge annimmt.

Doch Halt – müssen wir uns also heute Sorgen machen um das Paradies, in dem dieses Buch spielt? Ja, müssen wir als Motorradfahrer etwa auf unseren Touren ein schlechtes Gewissen haben? Nein, keinesfalls!

Mögen diese nackten statistischen Fakten auch wenig einladende Individualität vermuten lassen, die Alpen bieten auch in unseren Tagen noch mächtig viel Raum für Natürlichkeit, Tradition und Kultur. Denn im Grunde konzentriert sich der Massentourismus auf überschaubar wenige Gebiete, nur 15 Prozent aller Alpengemeinden besitzen eine bedeutende touristische Infrastruktur.

Bei über 70 Prozent aller Gemeinden spielt der Tourismus nach wie vor eine eher untergeordnete Rolle, hat Traditionen und Lebensweisen der Menschen gar nicht oder nur unwesentlich beeinflusst. Auch in unseren Tagen bieten die Alpen immer noch mannigfaltige Möglichkeiten, nahezu unberührte Natur pur oder in Kombination mit Jahrhunderte alten Traditionen und Lebensweisen zu genießen. Und ein verantwortungsvolles Reisen, das Beachten von Schutzräumen für Fauna und Flora, wird dieses 200.000 Quadratkilometer große Schatzkästlein unseres Planeten auch für die Nachwelt erhalten.